Sorgenkinder und die Frage ob es Zeit ist zu gehen.

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Ich hätte gestern schon einen Eintrag schreiben sollen, jetzt ist es mal wieder so viel, dass ich nicht weiß mit welchem Thema ich am besten anfange…

Sorgenkinder

Gestern wurde meine kleine Nichte eingeschult. Allein dass der Eintrag trotzdem nicht Einschulung heißt sondern Sorgenkinder, spricht Bände…
Ich fuhr am Abend vorher zu meiner Schwester und packte ihre Schultüte. Sie war erstaunlich schwer, wenn sich auch herausstellte dass nur die Sachen die ich besorgt hatte hinein sollten. Ich hatte meine Schwester so verstanden, dass sie auch einen Teil beisteuern wollte. Aber so passte immerhin alles hinein. Nachdem wir noch zwei Kuchen gebacken hatten, fuhr ich zu meinen Eltern. Den Kroaten hörte ich nicht mehr, er war schon im Bett.

Am nächsten Morgen schrieb ich ihm, aber er hatte gesagt er würde sein Handy nicht mit ins Krankenhaus nehmen. Er antwortete also nicht. Ich hatte gehofft er würde vorher nochmal anrufen.. Ich machte mich fertig, packte noch das Freundebuch in hübsches Geschenkpapier. Mein Vater und ich wollten gemeinsam fahren. Er bestand darauf mit meinem zu fahren. Ich parkte ein paar Straßen von der Kirche entfernt. Als meine Schwester und mein Schwager mit den Kids eintrudelten, hatte meine Nichte schwer zu schleppen an ihrer Schultüte, abgeben wollte sie sie aber partout nicht 😀 Weder meine Oma noch die Eltern meines Schwagers tauchten auf, also gingen wir in die Kirche. Der Gottesdienst war ganz nett, als wir wieder draußen waren, fing das Drama an. Ich sah meine Oma, kreidebleich und klitschnass geschwitzt. Sie hielt sich an einer Laterne fest. Meine Mutti wollte ihr Auto holen und sie zur Schule fahren, ich verstand gar nicht genau was passiert war. Wie ich später erfuhr, war sie selbst mit dem Auto zur Kirche gefahren. Eine Straße war gesperrt, so dass sie einen Umweg fahren musste und war da schon gestresst (hätte ich sie doch nur abgeholt). Dann fand sie keinen Parkplatz und musste weiter weg parken und laufen. Nicht ihre Stärke, also kam sie viel zu spät und gestresst in die Kirche. Ihr wurde schlecht, sie ging raus (war meine Mutti zum Glück sah) und ihr wurde schwarz vor Augen. Meine Mutti sah sie aus der Kirche torkeln und eilte zu ihr, fing sie auf und half ihr. Ihr war schlecht, also schnell in die Sakristei auf Toilette, dort bekam sie Wasser, so dass es ihr etwas besser ging. Wahrscheinlich der Zucker. Sie sah schrecklich aus.

Wir hatten eine halbe Stunde Zeit, Papa und ich wollten zur Schule laufen. Wir warteten mit Oma auf Mama, die derweil das Auto suchte. Natürlich war es nicht dort wo Oma gesagt hatte. 20 Minuten später fiel ihr ein wo sie es gelassen hatte. Ich dachte schon wir verpassen die Einschulung -.- Wir quetschten uns alle in Omas kleines Auto und fuhren zur Schule. Mama warf und raus und suchte einen Parkplatz. Wir gingen in die Sporthalle, ich suchte für Oma einen Platz ohne Stufen und co. Für mich war in der Reihe davor Platz. Ich zu meinem Vater „Setzt du dich zu Oma und hälst für Mama frei?“ Er: „Ich setz mich zu dir!“ Oh man, meine Eltern sind manchmal so anstrengend verpeilt. Später erzählte er mir dass die Leute in der Reihe von Oma für ihn keinen Platz machen wollten. Als könne sich ein erwachsener Mann nicht durchsetzen. Ich stand auf und lief zu Oma. 12 Menschen links von ihr, na dann. „Könnten Sie bitte alle ein kleines Stück nach links rutschen?“ Alle murmelten etwas von Platz freihalten für andere und bla. Ich blieb freundlich, auch wenn ich ganz schön genervt von allem war. „Na wenn wir uns alle etwas dünn machen, bekommen wir das schon hin!“ Der Mann im Anzug neben mir grinste mich an und rutschte. „Setzen Sie sich.“ „Vielen Dank“. Oma ging es besser, langsam bekam sie etwas Farbe. Sie erzählte mir, dass sie sich frisch machen müsste nach der Einschulung. Mama weiß bescheid. Alle Grundschulklassen führten etwas auf, bevor die Erstklässler ihren Klassenlehrern zugeordnet wurden und gemeinsam die Turnhalle verließen. Wir blieben noch einen Moment bis die Schulleiterin mit ihrer Rede durch war. Mein Schwager verschwand mit meinem Neffen, seinen Eltern und den anderen Gästen nach Hause. Meine Schwester wollte auf meine Nichte warten und dann mit ihr laufen. Meine Mutti, so genial verpeilt wie sie nun mal ist, „Oma, gehen wir auch Kaffee und Kuchen trinken und warten auf die Kleine?“ Ich: „Oder du packst Oma ein, fährst mit ihr nach Hause, dass sie sich frisch machen kann.“ Maaan. Es dauerte bis sie es einsah, meine Oma war erleichtert kurz heim zu können. Sie zog sich um, duschte kurz und konnte nochmal ihren Blutzucker messen. Ganz entspannt, wir hatten ja mehr als Zeit. Ich wartete mit meinem Paps, der Schultüte und meiner Schwester auf dem Schulhof auf die Kleine. Sie war ganz schön platt als sie aus der Klasse kam. Viel Aufregung am ersten Tag 🙂 Hausaufgaben hatte sie auch direkt bekommen. Richtig so!

Wir fuhren zu meiner Schwester, dort durfte sie – endlich!! – ihre Schultüte auspacken. Sie staunte wie viel da drin war, war aber auch irgendwie zu platt um sich wirklich zu freuen. Es gab Mittagessen und ich blickte immer wieder auf die Uhr. In der Kirche hatte der Kroate geschrieben, dass seine OP auf 13 Uhr verlegt wurde. Eine halbe Stunde sollte der Eingriff dauern, also wurde ich ab 14 Uhr von Minute zu Minute angespannt, wann er sich melden würde.

Wir machten eine Wasserschlacht und aßen Kuchen. Meine Eltern wollten gehen, aber da wir mit meinem Auto gefahren waren, blieben wir. Ich half meiner Schwester noch etwas Ordnung zu machen. Dann fuhren wir heim. 17 Uhr und noch immer keine Nachricht. Um 17.30 Uhr rief ich bei seinen Eltern an. Besetzt. Waaaaah. 17.45 Uhr sein Vater ging ran. Sie hatten auch noch nichts von ihm gehört. Ich wäre an ihrer Stelle längst hingefahren um nach dem rechten zu schauen. Scheiß Fernbeziehung. Später erfuhr ich, dass sein Vater auch im KH angerufen hat, um zu hören wie es ihm geht. Er lag noch im Aufwachraum, also haben sie sich gekümmert, nicht wie es am Telefon klang 🙂 Mir wurde schlecht. Meine Mutti versuchte mich abzulenken, was nicht gelang.

Um 18.30 Uhr rief er endlich an. Alles gut gegangen.

Ich war so erleichtert und fuhr zu mir nach Hause. Als ich daheim ankam fiel all die Anspannung ab, all die Sorgen, all der Stress des Tages wegen Oma und meinem Schatz… ich war fix und fertig. Wir telefonierten noch eine Stunde bevor er schlafen ging und es tat gut zu hören, dass er zwar Schmerzen hatte, aber es ihm gut ging.

Zeit zu gehen?

Nun zu heute. Es stand wieder meine geliebte Planungsrunde an. Mir war klar dass Cheffe mich da wieder im Stich lassen würde. Ich fuhr hin und war positiv überrascht, dass die Runde kleiner ausfiel. 3 Stunden später war ich endlich wieder im Büro. Morgen steht der Termin in der Schule an. Letztes Mal war ich nicht da, diesmal bestand ich darauf dass Cheffe mitkommt. Ich hatte ihm das schon vor Wochen gesagt. Er hat bisher immer die Vorstellung gemacht und alles erklärt (auch wenn ich mich vorbereitet hatte, hatte er das immer „an sich gerissen“). Als er wieder ins Büro kam und fragte wie es gelaufen sei, sprach ich den Termin morgen an. Er: „Termin?“ Er schaute in den Kalender… „Also Donnerstags bin ich jetzt eigentlich immer auf einem anderen Termin, die nächsten Monate ist das geblockt…“ Ich hatte es ihm extra schon vor Wochen gesagt. Er: „Dann gehst du einfach allein oder?“

Ich könnt im Dreieck springen. Es ist nicht so dass ich den Plan nicht allein vorstellen könnte. Aber wenn bei 8 Präsentationen Cheffe vorn steht und redet, erwarten die Leute dass er beim 9. Mal auch dort steht. Gerade wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Jetzt drückt er sich und schmeißt mich den Haien zum Fraß vor. Schon wieder. Im Moment bin ich dermaßen unzufrieden wie er mich im Stich lässt. Immer wieder solche und noch viel wichtigere Situationen und er ist einfach nicht für mich da. Dabei hatten wir Anfang des Jahres genau darüber gesprochen, dass ich in 2 Bereichen noch lernen muss und will, und er mir das beibringen soll. Ins kalte Wasser geschmissen zu werden ist auch eine Art zu lernen, aber ich frage mich wirklich ob das jedes Mal sein muss. Jedes verfickte Mal. So viele Dinge die schief laufen weil ich sie nicht früh genug erkannt habe und ich lerne daraus, ja. Aber muss ich alles dadurch lernen, dass ich es beim ersten Mal nicht optimal oder gar falsch mache?? Kann er mich nicht an seiner Berufserfahrung teilhaben lassen? Wir hatten genau das ausgemacht und er lässt mich im Stich. Ich hab es so satt mich durchbeißen zu müssen. Ich bin k.o. Ich kann nicht jeden Abend zuhause sitzen, Fachliteratur lesen um mich auf 100 verschiedene Möglichkeiten vorzubereiten und am Ende passiert Nummer 101. Jedes Mal. Seit 2 Jahren bin ich hier und es wird nicht besser. Klar werde ich kompetenter, aber er lässt mich mehr und mehr im Stich – vor allem wenn ich um Hilfe bitte! Ich überlege mir ja schon genau wann ich ihn brauche und wann nicht, aber dass er mich dann auch noch im Stich lässt, ist eine herbe Enttäuschung.

Ich überlege ob mein Weg mich hier weiterführt oder ich mich nach einem anderen Büro umsehen sollte. Allein die Überlegung ist enttäuschend, weil ich mich genau hier angekommen fühlte. Aber es ist einfach zu viel. Zu viel Verantwortung, zu viel kaltes Wasser, zu viel Stress. Und es wird mit Sicherheit nicht besser werden, wenn wir in 2 Monaten eine noch unerfahrenere Mitarbeiterin bekommen. Es raubt mir den Spaß an meiner Arbeit, das kann’s ja wohl nicht sein.

Kurzfassung, aber musste raus 😀